Afghanische Frauen in Österreich stärken
Afghanische Frauen in Österreich stehen oft zwischen mehreren Realitäten. Viele tragen Verantwortung für ihre Familien, unterstützen Angehörige, lernen eine neue Sprache, orientieren sich in einem neuen Bildungssystem und versuchen gleichzeitig, beruflich Fuß zu fassen. Dabei begegnen ihnen nicht nur persönliche Herausforderungen, sondern auch strukturelle Hürden, die ihre Chancen auf Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe erschweren.
Ein aktueller Beitrag im A&W Blog von Maryam Singh, Vera Glassner und Gawhar Musleh widmet sich genau diesen Lebensrealitäten. Der Artikel zeigt, dass afghanische Frauen in Österreich nicht auf ein einziges Bild reduziert werden dürfen. Sie sind Mütter, Töchter, Schülerinnen, Studentinnen, Arbeitnehmerinnen, Aktivistinnen und Brückenbauerinnen. Viele bringen wertvolle Erfahrungen, Mehrsprachigkeit, hohe Motivation und großes Engagement mit. Zugleich sind ihre Wege oft von unsicheren Aufenthalts- und Lebenssituationen, fehlender Anerkennung von Qualifikationen, Betreuungspflichten, Diskriminierung und eingeschränktem Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten geprägt.
Besonders deutlich wird: Integration gelingt nicht allein durch individuelle Anstrengung. Wer Bildung, Arbeit und Selbstbestimmung ermöglichen will, muss auch die Rahmenbedingungen betrachten. Dazu gehören leistbare und erreichbare Bildungsangebote, qualifizierte Beratung, Kinderbetreuung, gute Übergänge in den Arbeitsmarkt und ein gesellschaftliches Klima, das Frauen nicht auf Herkunft oder Fluchterfahrung reduziert.
Der Beitrag knüpft an die Tagung „Frauensolidarität für Bildung und Selbstbestimmung in Afghanistan“ an, die am 10. April 2026 im Wiener Rathaus stattfand. Dort wurde sichtbar, wie eng die Situation von Frauen in Afghanistan mit den Erfahrungen der afghanischen Diaspora verbunden ist. Während Frauen und Mädchen in Afghanistan unter massiven Einschränkungen leiden und Bildung sowie öffentliche Teilhabe systematisch erschwert oder verhindert werden, setzen sich afghanische Frauen in Österreich und Europa dafür ein, diese Stimmen hörbar zu machen.
Dabei geht es nicht nur um Solidarität mit Frauen in Afghanistan, sondern auch um die Frage, wie Frauen mit afghanischer Geschichte hier in Österreich selbstbestimmt leben und teilhaben können. Bildung ist dafür ein zentraler Schlüssel. Sie eröffnet berufliche Perspektiven, stärkt Unabhängigkeit und schafft Möglichkeiten, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Gleichzeitig braucht es Schutzräume, Austausch und Organisationen, die Frauen begleiten, vernetzen und stärken.
Afghanische Frauen zeigen täglich, welches Potenzial in ihnen steckt. Viele engagieren sich in Vereinen, unterstützen andere Frauen, übersetzen zwischen Lebenswelten, übernehmen Verantwortung in Familien und Communities und setzen sich für die Rechte von Mädchen und Frauen ein. Dieses Engagement verdient Sichtbarkeit und Anerkennung.
Der Blick auf afghanische Frauen in Österreich sollte deshalb nicht bei Hindernissen stehen bleiben. Wichtig ist eine Perspektive, die sowohl die bestehenden Probleme benennt als auch die Chancen ernst nimmt. Wenn strukturelle Barrieren abgebaut werden, können afghanische Frauen ihre Fähigkeiten noch stärker einbringen – in Bildung, Arbeitswelt, Zivilgesellschaft und Zusammenleben.
Für eine offene und demokratische Gesellschaft ist das ein Gewinn. Denn Teilhabe bedeutet nicht nur, irgendwo anzukommen. Teilhabe bedeutet, mitgestalten zu können.
Kurz zusammengefasst
Links & Beratung
Quellen

ist im Beratungszentrum tätig und leitet die Erstinformationsveranstaltungen zum Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft.
Auf der Hochschule Campus Wien ist sie Lehrende für Asyl & Migration.



