Interview-Auswertung

Europäischer Migrationsdialog

Dezember 2014

Vorläufige Auswertung der Interviews

Um Diskriminierung bzw. Beispiele von Diskriminierung am Arbeitsplatz und bei der Arbeitssuche aufzuzeigen, war es erforderlich Interviews mit Betroffenen zu machen. Die Interviews mit arbeitslosen Menschen zu ihren persönlichen Erfahrungen wurden in regionalen Geschäftsstellen des Arbeitsmarktservice Wien gemacht. Die Erfahrungen von Personen, die noch in einem aufrechten Dienstverhältnis stehen, wurden im Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen abgefragt. Insgesamt wurden 52 Interviews mit unterschiedlichen Nationalitäten durchgeführt. Die Auswahl der Personen erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Die Personen wurden vor Ort direkt angesprochen und die Gespräche erfolgten spontan. Es wurde jedoch darauf geachtet, Männer und Frauen gleichermaßen zu befragen. Die Interviews wurden in einer offenen Form und nur mit schriftlicher Aufzeichnung durchgeführt.

Definition von Diskriminierung

Eine Diskriminierung ist eine Unterscheidung, Aussonderung, Benachteiligung, ungleiche Behandlung, Nichtbeachtung, Ausschluss oder Ungleichbehandlung von einzelnen Personen oder Gruppen aufgrund ihrer Rasse oder ethnischen Herkunft, ihrer Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Identität und hängt mit Machtkonstellationen zusammen. Dabei werden bestimmten, wenig einflussreichen Gruppierungen der Gesellschaft, meist Randgruppen, nicht die gleichen Rechte zugestanden wie der übrigen Gesellschaft. Vorhandene Probleme, die mit moralischen Zuschreibungen und Vorurteilen verbunden sind, werden diskriminierten Gruppen zugeschrieben. Diese Personen und Gruppen erhalten somit eine Sündenbock-Rolle. Der einzelne Mensch wird nicht mehr als individuelle Persönlichkeit gesehen, sondern nur noch als Träger der zugeschriebenen Merkmale. (Quelle: teilweise Duden) Es gibt jedoch viele weitere Definitionen von Diskriminierung, auf die jetzt nicht näher eingegangen wird.

Ergebnisse

Sichtbare und nicht sichtbare Diskriminierung (bewusste und nicht bewusste Diskriminierung)

Es hat sich herausgestellt, dass es vielen Befragten nicht bewusst war, was Diskriminierung bedeutet. So ist die Wahrnehmung und Einschätzung des Phänomens der ethnischen Diskriminierung am Arbeitsplatz und bei der Arbeitssuche und Bewerbung nicht nur sehr unterschiedlich, sondern unterliegt auch subjektiver Interpretation.
Mit folgendem Beispiel soll aufgezeigt werden, dass die Einschätzung und Bewertung dessen, was als Diskriminierung eingestuft wird, von gesellschaftlichen Vorannahmen über den Stellenwert von bestimmten Migrantengruppen abhängt.

Die Lebensweise von ex-jugoslawischen Bauarbeitern, die seit über 30 Jahren in einer kleinen Dienstwohnung zu siebent auf engstem Raum gemeinsam leben, ein Mindesteinkommen ohne Lohnerhöhung haben, wird von den Befragten nicht als eine diskriminierte Lebensweise aufgefasst. Auch nicht, wenn diese Menschen viele Jahre von ihren Familie getrennt leben müssen, weil die gesetzlichen Bestimmungen die Einreise verbieten.
Das erzwungene gemeinsame Leben der Arbeiter veranlasst sie die Kollegen als Familienersatz zu sehen:
Ein Bauarbeiter äußerte sich folgendermaßen: „Wir sind wie eine Familie.“ Vielmehr werden die Kürzungen des Trenngeldes, einer Unterstützung, die Bauarbeiter auf Grund der getrennten Haushalte mit ihren Familien erhalten, von früher € 26 auf heute nur mehr € 8 kritisiert, da die Familie in der Heimat dadurch nicht mehr erhalten werden kann. Erst nach Vertiefung des Gesprächs stellt sich heraus, dass das Problem, die Familie nicht mehr finanziell unterstützen zu können, verdrängt wird.
Auf dem ersten Blick zeigt die Situation der Arbeiter keine offensichtliche Diskriminierung. Doch eindeutig kommt eine Diskriminierung zum Vorschein. Diskriminierung kann sich auf verschiedene Weise zeigen und kann von Menschen auch unterschiedlich aufgefasst werden. Die Art und Weise des Gesprächs, der Handlung und der Aussage, wie es zu es zur Diskriminierung kommt, spielen eine wichtige Rolle. Auch der Sprechton und die Stimmlage geben Aufschluss über Intensität der Diskriminierung. Zu guter Letzt auch die Mimik, Gestik und die gesamte Körpersprache des Diskriminierenden zeigen den Schweregrad der Diskriminierung. Handelt es sich hier um eine leichte oder schwere Diskriminierung? Wie wird der Inhalt der Diskriminierung an die Person gebracht? Wie findet eine Diskriminierung statt? Welche gesellschaftlichen Vorstellungen gibt es von Diskriminierung? Ab welchem Zeitpunkt fängt eine Diskriminierung an?
Folgendes Beispiel soll das „diskriminiert sein“ und die „diskriminierende Haltung“ näher beschreiben.
Am Arbeitsplatz sollen des Öfteren „Späßchen“ gemacht worden sein, die jedoch nicht weiters ernst genommen wurden. ArbeitskollegInnen bzw. MitarbeiterInnen werden demnach mit „Tschusch“ oder „Türkenmafia“ bezeichnet. Der Inhalt dieser Aussage stellt in jedem Fall eine Diskriminierung dar, was wie bereits erwähnt, durch den Tonfall usw. erschwert bzw. beschwichtigt werden kann. Hinter jedem Spaß verbirgt sich eine Wahrheit, die durch die Erschließung der latenten Ebene – nämlich der Intention des Gesagten – zum Vorschein kommt. Dabei werden bestimmte gesellschaftlich festgesetzte Bilder und Vorstellungen über Migranten zum Ausdruck gebracht, die auf ihren minderen Status hinweisen. Durch die „Verpackung“ dieser vorurteilsbehafteten Bilder in „Späße“ wird die Aussagendimension in ihrer Verletzlichkeit einerseits beschwichtigt, andererseits gleichzeitig mittransportiert, dass in dem Fall alle „aus der Türkei Kommende“ VerbrecherInnen sind.
Um Ernst und Tiefe des Begriffs „Türkenmafia“ zu zeigen, soll nun näher analysiert werden: Hinter den Kulissen werden von Menschen (hier sind Menschen aus der Türkei gemeint) einer Gruppe in geheimer Absprache Pläne (gegen wen auch immer) geschmiedet. Bei dieser Ausdrucksform handelt es sich um eine kriminelle Methode, die hier unterstellt wird. Diese Phantombilder sind mit Angst vor dem Geheimen und dem Unbekannten verbunden. Dadurch entsteht eine Selektion und Ethnisierung. Durch die Körpersprache kann der Inhalt ungefährlich also weich und „verdaubar“ gemacht werden.
Die Gegenreaktion ist dann oft die Emotionalität des/r Betroffenen. Die Kränkung/Betroffenheit sowie eine Gegenreaktion des Betroffenen kann dann als subjektive Sensibilität (kein Spaß verstehen) gedeutet werden.

Heute – Früher

Besonders von der ersten Generation der MigrantInnen werden Vergleiche mit „alten Zeiten“ gezogen. Mit alten Zeiten ist meines Erachtens die erste Zeit der Zuwanderung zwischen 1960 bis 1980 gemeint. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen und Faktoren in der Gesellschaft haben sich verändert.
Im Vergleich zu früher hat sich besonders die wirtschaftliche Lage sowie ihr gesellschaftlicher Bedarf am Arbeitsmarkt zum Nachteil der MigrantInnen verändert.
Früher war die Wirtschaft auf die Arbeitskraft der MigrantInnen angewiesen. Ein Wirtschaftsboom sollte durch die „GastarbeiterInnen“ erreicht werden. Das Arbeitsmarktdefizit sollte durch Anwerben von MigrantInnen gedeckt werden, daher lautete die Devise, „Wir benötigen sie, also sollen wir gut zu ihnen sein“ und MigrantInnen wurden durch finanzielle Mittel unterstützt. Mit der Wirtschaftskrise ab 1980 nahmen die Arbeitslosenzahlen in Österreich zu, so dass MigrantInnen am Arbeitsmarkt überflüssig wurden und ihre Präsenz im Arbeitsmarkt erweckte den Eindruck, dass sie InländerInnen den Arbeitsplatz wegnehmen oder zum Lohndumping beitragen. Unter diesen Voraussetzungen entstand die Xenophobie.
Die 1. Generation ist häufig über die Verbindung mit anderen Landsleuten nach Österreich gekommen. Diese „Seilschaften“ bewirkten die Immigration ganzer Dörfer und brachten auch negative Aspekte in der Integration mit sich. Besonders die 1. Generation lebte in diesen Gemeinschaften und war von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten, damit auch aufeinander stark angewiesen. Diese Art von Migration und die sicherlich bestehende MigrantInnen-Community bringen sind auch ein wesentlicher Faktor für eine Ghettoisierung.
Die Idee der Rückkehr dieser GastarbeiterInnen hat sich jedoch nicht erfüllt, eine Pauschalisierung und Stigmatisierung entstand und dadurch bzw. schon davor die Ausbeutung des Arbeitskräftepotentials. Dadurch tritt die Solidarität unter den ArbeiterInnen immer mehr in den Hintergrund, das besonders der 1. Generation fehlt. Durch die ansteigende Arbeitslosigkeit wächst auch die Konkurrenz.

Diskriminierung durch Barrieren

Diese Barrieren sind rechtlicher, sozialer und politischer Natur und stellen gravierende Hindernisse für die Lebensweise der MigrantInnen dar. So werden MigrantInnen rechtlich benachteiligt und haben als ausländische/r StaatsbürgerIn keinen Rechtsanspruch auf soziale Leistungen usw. Arbeitsrechtlich gesehen haben viele MigrantInnen keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Weiters geht diese Diskriminierung mit dem einher, dass beispielsweise die/der MigrantIn mit einer Arbeitsbewilligung die Beschäftigung nur in einem Bundesland aufnehmen darf. Auf der politischen Ebene wird MigrantInnen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene verwehrt, und das unabhängig von der Dauer der Niederlassung in Österreich.
Ein LKW Fahrer schildert seine Situation: „Ich bin auf diese Arbeit angewiesen. Sie versprechen eine Beschäftigungsbewilligung zu beantragen und tun es jedoch nicht. Nach einem Unfall musste ich wochenlang im Ausland ausharren, weil ich nicht angemeldet war und auch keine Krankenversicherung hatte. Ich hatte auch kein Geld mehr für die Rückreise.“
Da die Firmen Anträge auf Beschäftigungsbewilligungen einbringen müssen, wird seine Situation und Ausweglosigkeit ausgenutzt. So werden Anträge versprochen und ständig aufgeschoben. Ohne jeglichen Krankenversicherungsschutz und anderen Rechtsansprüchen wird der/die MigrantIn gezwungen, diese Situation hinzunehmen und unter den schlechtesten Bedingungen zu arbeiten. In vielen Fällen muss der eigene Lohn erbettelt werden.

Mehrheit und Minderheit

In vielen Fällen hat sich gezeigt, dass die Mehrheit einer ethnischen Gruppe das Sagen über die Minderheit hat. So werden bestimmte ethnische Gruppen gestärkt und andere Gruppen geschwächt. Dieses Prinzip der Mehrheit und Minderheit zeigt sich in allen Ländern der Befragten und in jeder Berufssparte. Die Arbeitslosigkeit und dadurch entstehende Konkurrenz kann als einer der Gründe gesehen werden Andererseits auch das Lobbying (Zusammenhalt) einer bestimmten Gruppe, um auch die eigene Position am Arbeitsplatz zu stärken und zu erhalten. Dabei wird häufig der Mobbing-Effekt eingesetzt. Ein Befragter führt dazu aus: „Wir versuchen selbst keine Ausländer in unsere Gruppen zu nehmen. Wenn du dort arbeitest, dann versuchst du automatisch deine Leute reinzukriegen. Wer anderer hat keinen Platz.“ Diese Situation ist vielen auch bewusst und meist kann diese Situation nicht lange ertragen werden. Eine Befragte erzählt: „Die Jugos haben einen Grund gefunden. Sie haben mich rausgeekelt.“ „Sie waren in der Mehrzahl, ich habe verloren.“

Qualifikation – Bildung

Die Qualifikation und Ausbildung spielen eine wesentliche Rolle bei der Arbeitsaufnahme. Die/der beste und hochqualifizierteste/r BewerberIn bekommt die größten Chancen. Wettbewerb und Konkurrenz entstehen, dadurch auch Rivalität. Es sollen hier zwischen dem gerechten und ungerechten Wettbewerb unterschieden werden. Das Interesse aller Parteien sollte darin liegen, die Hochqualifiziertesten, für die eigene Firma zu nehmen, was auch gerecht ist. Beim gerechten Wettbewerb sollte weiters z.B. Frauen eine Chance gegeben werden, weil bekannt ist, dass Frauen benachteiligt werden. Beim ungerechten Wettbewerb werden von vornherein Männer bevorzugt. Es herrscht keine Chancengleichheit.
Vielen der Befragten ist nicht bewusst, dass sie auch eine Chance auf einen beruflichen Aufstieg, höheren Lohn, Weiterbildung usw. bekommen könnten. Meist wird die Situation so akzeptiert mit der Begründung keine Ausbildung, also kein guter Job. Es wird nicht weiters erfragt, obwohl mit einer Einschulung die gleichen Kenntnisse und Fertigkeiten angeeignet werden könnten. Als Beispiel sollen hier die Sprachkenntnisse genannt werden: Ein/e MaturantIn aus der Türkei verfügt häufig über nicht sehr gute Englischkenntnisse ist jedoch bereit ihre Kenntnisse aufzufrischen. Gerade MigrantInnen kommen mit angelernten/erlernten Ressourcen ins Einwanderungsland, die in den meisten Fällen nicht eingesetzt werden bzw. darauf nicht aufgebaut werden.

Beurteilung nach dem Aussehen

Durch die vorhandenen Vorurteile der Menschen wird oft nach Aussehen beurteilt. Dieses Phänomen ist sicherlich nicht nur Österreich spezifisch, sondern zieht sich über alle Gesellschaften hindurch. Ein Taxifahrer erzählte, dass die KundInnen aufgrund seines Aussehens bei ihm nicht einsteigen. Tatsächlich können es ideologische Gründe der KundIn sein, ebenso die politische Lage und Situation, aber auch Vorurteile können Gründe für dieses Verhalten sein. Das Fremde und Unbekannte wird von vielen Menschen vermieden, weil Hemmungen vorhanden sind und der Versuch der Kontaktaufnahme nicht gestartet wird.
Bei der Diskussion rund um „das Kopftuch“ hingegen werden bestimmte Gruppen von vornherein diskriminiert und vermieden. Aus den Interviews konnte entnommen werden, dass meist eine Angst seitens der FirmeninhaberInnen entsteht, dass die Firma dadurch mit Verlusten rechnen muss, also kein Profit erzielt wird. In jedem Fall spielt hier der Kunde, die wichtigste Rolle, sein Wunsch ist das höchste Gebot und er bestimmt die Regeln. Die Befragten erzählen, dass bei der telefonischen Bewerbung ein Termin vereinbart wird. „Am Telefon merken sie meistens nicht, dass ich anders ausschaue. Dann gehe ich nach einer halben Stunde hin und es wird mir gesagt: Tut mir leid, Stelle ist schon besetzt! Dann komme ich wieder zum AMS und sehe, dass ich wieder die gleichen Stellen erhalte.“
Das Tragen des Kopftuches zeigt ebenso ähnliche Handlungen seitens der ArbeitgeberInnen. Reinigungsfirmen versuchen die Erwartungen ihrer Kunden zu erfüllen und sprechen ihre Mitarbeiterinnen direkt an, ob ein freiwilliges Abnehmen des Kopftuches möglich sei. „Ich finde sonst keine Arbeit, also nehme ich das Kopftuch ab. Mein Mann ist damit einverstanden.“

Arten der Diskriminierung

Sticheleien

Sticheleien werden häufig ausgeübt, aber meist nicht bemerkt. Sie können oft ausarten und dazu führen, dass der/die Betroffene in einen Konflikt kommt und psychische Folgen erleidet.

Physische Gewalt bzw. Ausbeutung

Physische Gewalt zeigt sich in der Handlung zweier Menschen bzw. zwischen Mensch und Gruppe. Wenn ein Konsens und Konfliktschlichtung nicht mehr erzielt werden kann, führt die Situation zu einer Eskalation. Die Lösung des Konflikts artet dann häufig in der körperlichen Gewaltanwendung.
Ein Afrikaner erzählt von seinem Dienstverhältnis. Monatelang wurde er demnach von einem österreichischen Mitarbeiter diskriminiert und schikaniert. Tagtägliche Beschimpfungen wie „Ihr seid wie Affen und macht dazu Affenhaltungen. Du Neger!“ musste er sich anhören. Ständig war der Betroffene einer verbalen Aggression ausgesetzt und musste die Grimassen aushalten. „Ich habe Gewalt angewendet, weil ich am Ende war.“ Die Kollegen, die bislang die Diskriminierung an seiner Person miterlebten, applaudierten und meinten, dass der Diskriminierende die Gewaltanwendung verdient hätte. Tatsache ist jedoch, dass die Diskriminierung an dem Farbigen wahrgenommen wurde, die diskriminierende Person jedoch nie davon abgehalten wurde. Die Polizei wurde verständigt, eine Anzeige wurde jedoch nicht erstattet.

Mobbing

Mobbing stellt eine der schlimmsten Diskriminierungen dar und bringt massive psychische Folgen mit sich. Es handelt sich hier meist um kollektive extreme psychische Gewalt und hat wohl auch psychische Folgen. Für eine bestimmte Situation oder Handlung wird vom Diskriminierenden eine Person beschuldigt und als „schwarzes Schaf“ dargestellt, was häufig bis zum „Hinausekeln“ geht. Das Phänomen Mobbing verursacht gleichzeitig eine Kettenreaktion, was sich in der Teilnahme (freiwillig oder auch nicht) der weiteren Kollegenschaft zeigt. Die Angst um die eigene Existenz (Arbeitsplatz) und oft die eigene Unterdrückung und Einschüchterung führen zu dieser Teilnahme. Die Gründe für Mobbing hängen sehr häufig mit Vorurteilen, Ängsten und Xenophobie zusammen. Von vornherein werden gewisse Menschen oder Gruppen aus der Gesellschaft (Arbeitsplatz) ausgeschlossen.

Psychische Gewaltanwendung

Mobbing ist ein Extrembeispiel der psychischen Gewalt, auch die Erwartungen des Arbeitsplatzes nicht zu erfüllen und im Vorfeld eine Arbeit nicht zu finden, haben psychische Folgen. Eine Art psychische Gewaltanwendung zeigt auch dieses Beispiel: „Auch wenn die Zeit voll ist, ich will schon nach Hause gehen, bekomme ich noch schnell einen neuen Auftrag, obwohl die Arbeit schon längst erledigt ist. Wie ein Vieh, werde ich behandelt.“

Rechtfertigung

Die Rechtfertigung stellt einen Versuch der Legitimation dar. MigrantInnen sind oft gezwungen Beschuldigungen bzw. Vorurteile abzuwehren. Das geschieht häufig mit einer Rechtfertigung seiner Person, Ethnie oder auch Land.
Beispiel: „Ein Mitarbeiter hat mir die Kronenzeitung mit dem Titel „3.000 afrikanische Drogendealer in Österreich.“ vor das Gesicht gehalten. Ich konnte mich nur mehr selbst verteidigen.“ Gerade bei den befragten AfrikanerInnen nimmt die Rechtfertigung einen schwerwiegenden Stellenwert im Arbeitsleben an. Oftmals werden MigrantInnen dazu aufgefordert sich zu deklarieren und zu beweisen, dass sie nicht zu einer kriminellen Gruppe gehören. Dieses Phänomen zeigt sich auch bei anderen Ethnien und Berufssparten. Beispielsweise versuchen Bedienerinnen mit letzter Kraft noch ihre Sauberkeit zu beweisen, weil ihnen vorgeworfen wird, dass sie schmutzig sind.

Deutsch

Das Beherrschen der deutschen Sprache stellt für viele MigrantInnen eine
Barriere dar. Der Ausweg wird häufig darin gefunden, bei Firmen eigener Landsleute eine Arbeit aufzunehmen, da dort die Sozialisation und Kommunikation einfacher werden, was eine Bildung von Ghettos mit sich bringt.
Bei Angriffen und Diskriminierung können sich Menschen mit guten Deutschkenntnissen in bestimmten Situationen verbal wehren. Das zeigt sich an einem Beispiel beim AMS: “Der Antrag auf ALG wurde mir verweigert, ich habe mich gewehrt und bin zum Abteilungsleiter gegangen. Die haben geglaubt, ich spreche nicht Deutsch. Dann hat sich das Verhalten mir gegenüber geändert.“
An diesem Muster kann bestätigt werden, dass der Vorwurf mit den Deutschkenntnissen in vielen Fällen nur Ausrede ist und für die Arbeit eigentlich gar nicht relevant ist.
„Ich höre es immer wieder von Kolleginnen, dass ich zu wenig Deutsch kann. Wenn sie etwas von mir benötigen, dann kommen sie trotzdem. Ich bin dann oft wütend auf meine Kinder, ohne Grund.“

Diskriminierung durch eigene Landsleute

Welche Gründe können zu dieser Art von Diskriminierung führen? Die Identitätskrise der MigrantInnen verursacht wohl das Phänomen des Minderwertigkeitskomplexes, bei dem die eigene Schwäche gesehen wird und sich die Person in Österreich gegenüber anderen beweisen möchte.
Der/die MigrantIn wird selbst diskriminiert und diskriminiert Menschen in seiner Situation. Das geschieht zu einem, um Aggressionen los zu werden, zum anderen um ganz einfach die am eigenen Leib passierende Diskriminierung zu verdecken. Diese Minderwertigkeitskomplexe und Defizite, die hier zum Vorschein kommen, haben sicherlich tiefenpsychologische Gründe, auf die hier in diesem Bericht nicht näher eingegangen wird. Eine Person, die einen Dienstgeber mit der gleichen Herkunft hatte, erzählt, dass sie für ein ausgewaschenes T-Shirt bei der Rückgabe bezahlen musste, was nicht legitim war. „Sie haben gedacht, ich zahle. Ich bin aber zur Arbeiterkammer gegangen und habe es ihnen gezeigt.“
Gerade die Konkurrenz und Kürzungen von Jobs unterstützen dieses Phänomen. „Obwohl sie eine sehr gute Bekannte ist, hat sich mich während meines Urlaubes beschuldigt. Jetzt arbeitet sie und hat meine 4 Stunden dazu bekommen.“

Arbeiten bei Landsleuten

Weitere Gründe warum MigrantInnen häufig lieber bei MigrantInnen gleicher Herkunft arbeiten wollen liegen darin, dass neben dem Nichtmächtigsein der deutschen Sprache und der besseren Artikulation und Kommunikation am Arbeitsplatz auch kulturbedingte Gründe vorhanden sind. Bereits Esskultur bis hin zum gemütlichen Ort können Gründe dafür darstellen.

Schwere Arbeit

Die schwere, schmutzige und gefährliche Arbeit wird von MigrantInnen verrichtet. Wer sich nicht wehren kann, also Deutsch nicht sehr gut beherrscht, ist diesem Umstand ausgesetzt. Sicherlich spielen hier auch Beruf und Qualifikation eine Rolle, jedoch kann gesagt werden, dass es sich hier um latente Diskriminierung handelt und die Bedürftigkeit dieser Betroffenen ausgenutzt wird. In den meisten Fällen handelt es sich um Personen, die durch die einjährige Beschäftigungsbewilligung an gerade diesem Dienstgeber gebunden sind und eine existenzielle Angst vorhanden ist. Weiters betrifft das auch Personen, die der Situation hilflos ausgesetzt sind, weil sie die Sprache nicht können.

Latente Diskriminierung bzw. Diskriminierung von bestimmten Gruppen

Menschen mit schwarzer Hautfarbe, werden oft an Orten eingesetzt, wo sie nicht sichtbar sind. „Verheimlichung des Unangenehmen“, damit die Kundschaft zufrieden ist, könnte man dieses Verhalten benennen. Existenzängste und nicht anerkannte Qualifikation und Ausbildung zwingen diesen Menschen die Situation auszuhalten. „Sie versuchen mich dort einzuteilen, wo man uns nicht sieht. Du kannst nichts machen, weil du sonst deinen Job verlierst. Es tut eben weh.“
Menschen mit schwarzer Hautfarbe werden häufiger diskriminiert und haben bei der Arbeitssuche eine größere Konkurrenz. Gleichzeitig sind ausländische Frauen benachteiligter als ausländische Männer, da es eine gesellschaftliche Hierarchie (Rangordnung) zu geben scheint. Beispielsweise erzählten Frauen anderer Herkunft, dass Männer aus den gleichen Ländern bei den Vorstellungsgesprächen bevorzugt wurden und auch anders behandelt wurden. Menschen aus Afrika hingegen machten die Erfahrung damit, dass Menschen mit weißer Hautfarbe mit anderer Herkunft auf jeden Fall bei der Arbeitssuche und am Arbeitsplatz bevorzugt wurden. Besonders Befragte schwarzer Hautfarbe schildern oft, dass sie im Gegensatz zu anderen MigrantInnen die schlechteren Arbeiten ausführen müssen. „Egal wie gut du die Arbeit machst, der Mann findet immer einen Grund: Sie sagen es nicht offen, aber du merkt das auf deinem eigenen Leib.“
Das zeigt sich dann auch bei Kündigungen, wo bei Arbeitskräfteabbau in erster Linie ausländische Beschäftigte gekündigt werden. „Am meisten werden wir in der Arbeit beschäftigt, die ganze Staub- und Drecksarbeit machen wir. Aber egal wie gut du arbeitest, als erstes wird immer der Ausländer gekündigt.“ „Du merkst es wie sie sich dir gegenüber benehmen. Manche sagen es auch offen ohne Hemmungen. Aber an ihrer Mimik und an ihrem Verhalten siehst du das.“
So schilderten auch Afrikaner, dass gerade im sozialen Bereich bestimmte Nationalitäten bevorzugt werden, obwohl Afrikaner den sozio-kulturellen Hintergrund kennen und zudem zu ihrer Muttersprache noch weitere Sprachen wie Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch oder Englisch sprechen. In einer Metallfirma wollte der Manager keinen Kontakt mit dem Betroffenen. So wurde seitens des Managers jegliche Kommunikation vermieden und über andere MitarbeiterInnen und Umwegen getätigt. Bei einer Bewerbung wurden ausgewählte Nationalitäten aufgenommen. Dem Betroffenen selbst wurde mitgeteilt, dass er über nur geringe PC Kenntnisse verfüge, obwohl diese nicht überprüft wurden. Es hatte sich dann nach eigener Initiative des Betroffenen herausgestellt, dass überhaupt keine PC Voraussetzungen erforderlich waren und die aufgenommenen Personen auch über keine verfügten.
Ein weiteres Beispiel soll hier genannt werden:

Hürden bei der Arbeitssuche:

Viele Betroffene schildern, dass eine Arbeitsaufnahme in erster Linie durch Beziehung und dann durch eine gute Qualifikation und Beruf möglich ist.

Alter

Das Alter als Hindernis für die Arbeitsaufnahme wurde oftmals genannt, was jedoch für diese Recherche nicht weiters erläutert werden wird. „Wille ist da, ich habe mir diese schwere Arbeit nicht ausgesucht. Ich konnte nie wählen, habe genommen, was ich bekommen habe. Jetzt bin ich alt.“

Mütter

Frauen mit Kindern berichten häufig, dass die Kinder ein Hindernis bei der Arbeitsaufnahme bei den Firmen darstellen. Das macht sich sichtbar bei der Bewerbung, weil Firmen oft offen aussprechen, dass Pflegeurlaub und andere Fehlstunden dieser Art unerwünscht sind.

Zeitproblematik

Die Zeitproblematik wird ebenso als Hindernis für die Arbeitsaufnahme genannt. Besonders die Betreuung der Kinder bzw. älterer Personen im Haushalt erschwert die Arbeitssuche. Gerade Reinigungsfirmen haben geteilte Arbeitszeiten zu Tagesabschnitten, wo keine Kinderbetreuung möglich ist. Ebenso empfinden Männer die Wochenendarbeit als großes Problem für ein intaktes Familienleben.

Problem am Arbeitsplatz bzw. bei der Arbeitsplatzsuche

Häufig zeigen sich Probleme am Arbeitsplatz in Form von nicht gerechter Bezahlung. Ebenso werden ArbeitnehmerInnen zwar über 8 Stunden beschäftigt, jedoch im Ausmaß von 4 Stunden angemeldet. Gerade bei Leihfirmen sind viele MigrantInnen überfordert und erfahren lange Zeit später, dass sie gar nicht bzw. nur tageweise angemeldet waren. Dazu ein Arbeiter: „Wir sind machtlos. Wir haben so viele Probleme, wir sind machtlos. Es zahlt sich nicht aus. Ich weiß nicht einmal wo diese Firma ist.“
Ein Problem bereiten auch die ständigen Herabsetzen der Arbeitsstunden in den Reinigungsfirmen. „Ich habe keine 5 Sekunden Pause. Erst haben alle im Akkord gearbeitet, damit man sie lobt. Jetzt leiden sie.“
Bei der Stellensuche wird der Zugang oft durch die gestellten Voraussetzungen erschwert. So werden im Vorfeld schon gebürtige ÖsterreicherInnen verlangt bzw. perfekte Deutschkenntnisse in Wort und Schrift. Hier wurden auch Firmen namentlich genannt, in denen bestimmte MigrantInnengruppen von vornherein schon ausgeschlossen werden. Viele der Befragten mussten Schlechterstellung im Einkommen in Kauf nehmen und wurden finanziell ausgebeutet. „Ich war froh, dass ich Arbeit hatte. Ohne Arbeit keine Musi. Wenn man die Gesetze kann, kann man mehr verlangen.“

Diese Aussagen sprechen für sich:

„Wir werden nie wie Österreicher behandelt.“

“Wir haben uns an diese eigensinnige Kultur nicht gewöhnt.“ (Bsp. eines Befragten: Gerüst ist auf einen Kollegen gefalle. Der österreichische Kollege hat nicht geholfen, weil er Angst hatte, davon negativen Schaden zu bekommen. Ich habe ihm geholfen)

„Wir machen Speck mit Neger.“

„In Österreich werden die Menschen immer rassistischer und härter. Ich bin müde.“

„Was wir auch immer machen, wir sind Ausländer. Egal, ob du die Staatsbürgerschaft hast oder auch nicht, du bist ewig Ausländer. Bei mir hat sich nichts geändert.“

„Sie verstehen uns nicht. Ich habe Angst anders zu machen, dann bin ich ein Lügner.“

„Geh hin wo du hin gehörst.“

„Ihr gehört hinter Gitter! Das hat nichts mit Farbe zu tun. Ich bin kein Bandit!“

„Erfahrung wird auch oft verlangt. Gut, dass ich Erfahrung habe, sonst wäre ich ohne Erfahrung. Bei uns muss man sein Wissen mit Intellekt beweisen. Wenn man 5 Minuten später mit jemanden lachen kann, dann zeigt er seinen Intellekt.“

„Am liebsten möchte ich dort untertauchen, wo man mich nicht mehr sieht. Das schwarze Schaf. Viele kehren zurück. Auch ich werde das machen, wenn meine Tochter 10 Jahre alt ist.“

„Mit Österreich haben wir ein schlechtes Glück gehabt.“

„Alle waren wir wie Brüder.“

„Als Ausländer geboren immer Ausländer 2. Klasse.“

„Was soll ich mit ihnen machen? Bitte nicht umbringen.“